10 Stunden Moskau

Düsseldorf Flughafen, es ist 4.30 Uhr und wir sind bereit für Russland - Moskau um genau zu sein. Dank unseres Transitvisums sollte dem Kurztrip nichts mehr im Wege stehen. Es kann also um 6.05 Uhr Ortzeit in die weite Welt gehen. Pünktlich eingecheckt und die Sicherheitskontrolle reibungslos überstanden, sitzen wir bereit zum Abflug im Flieger. 3 - 2 - 1 es kann los gehen und schon heben wir ab!

Angekommen am Moskauer Flughafen - Ortszeit 10.30 Uhr - heißt es erst einmal orientieren (schwieriger als gedacht, denn jedes Schild und jegliche Beschriftung ist konsequent auf kyrilisch), als nächstes natürlich Geld wechseln - ganz wichtig. Also geht es auf die Suche nach einem Exchange Room und daraufhin geht die Suche weiter - ein Schließfach, das könnten wir ganz gut gebrauchen (macht den Kurztrip deutlich angenehmer, ohne schweren Rucksack auf dem Rücken). Genügend Rubel füllen den Geldbeutel und das Schließfach ist auch schon in Sicht, aber ganz so einfach wird es nicht. Man sagt ja Frauen und Technik, aber Frauen und Technik mit russischer Anleitung, das ist glaub ich die größere Herausforderung. Doch eins verstehen wir den großen Pfeil, der zu einer Klingel zeigt. 2 min später steht ein Schließfachfachmann neben uns. Natürlich kann er nur Russisch und wir nur Englisch, dann versuchen wir es eben mit Händen und Füßen. Wenigstens das hat geklappt! Nach gefühlt einer viertel Stunde sind die Sachen verstaut.  Alles erledigt!

Mit dem  Aeroexpress-Ticket in der Tasche kann es los gehen: Ziel ist der Rote Platz. Zum Glück fährt der Aeroexpress, auch Аэроэкспресс genannt, direkt in die Stadt. Also gestaltet sich die Fahrt ganz easy. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde, also bleibt genug Zeit von unserem 10 stündigen Aufenthalt für den Citytrip. Wir sind angekommen! Supi und jetzt? Wo sind wir überhaupt? Am Bahnhof, wir vermuten es ist der Hauptbahnhof. Also erstmal raus hier! Vielleicht kommt man ja zu Fuß zum Roten Platz... oder vielleicht auch doch nicht!? Was machen wir denn jetzt? Wir wissen beim besten Willen nicht, wo wir gerade in Moskau stecken und wie wir zu unserem Ziel kommen. Ganz einfach! Wir brauchen einen Plan. Das heißt als erstes eine Karte muss her. Mal wieder versteht uns kein Mensch, aber die altbewehrte Methode Hand-und-Fuß-Kommunikation kommt zum Einsatz und scheint sich auch dieses Mal auszuzahlen. Die Straßenstandverkäuferin scheint uns trotz der Sprachbarriere irgendwann zu verstehen. Das schließen wir daraus, dass sie sogar versucht uns mit der Karte (die wir gerade für 60 Rubel gekauft haben und die natürlich nur auf russisch ist) zu erklären wo wir hin müssen. Sie war sehr bemüht, doch leider konnten wir nur einen Bruchteil verstehen, der uns aber letztendlich doch weiter geholfen hat.

Nachdem wir ein wenig verwirrt umher geirrt sind, haben wir das richtige Transportmittel entdeckt - die Metro. So, die nächste Frage stellt sich direkt wieder: Welche Station ist nun die richtige? Gut, gehen wir die Sache logisch an und versuchen die Schriftzeichen zu vergleichen mit denen, wovon wir denken, dass es die richtige Station ist. Zum Glück hat uns die Verkäuferin diese auf der Karte gezeigt und es scheint die Richtige zu sein. Aber sicher ist sicher! Deshalb fragen wir am besten nochmal jemanden, der aussieht als könnte er Englisch. Naja, das war dann zwar doch nicht der Fall, aber der befragte Passagier gibt sich redliche Mühe. Auf russisch-englisch oder irgendetwas in der Art versucht er uns klar zu machen, dass es noch 4 Stationen sind, so wie wir es uns gedacht haben. Letztendlich entscheidet er sich spontan dazu, uns persönlich in die Nähe des Roten Platzes zu bringen. Er lässt uns neben einer Karte stehen - die Erste, die auch auf Englisch übersetzt ist - und zeigt uns wo wir unser Ziel, den Roten Platz, finden. Dann noch einmal ein kurzer Blick auf die Karte. Es geht los! Zu Fuß sind es nun keine 10 min mehr.



Da wir nur wenige Stunden in Moskau haben, versuchen wir viel rund um den Roten Platz zu sehen. Die Architektur, besonders die des historische Museums, des Kremls und der Basilius-Kathedrale, so wie des Luxuskaufhauses GUM am Roten Platz sind beeindruckend und erinnert ein bisschen an tausend und eine Nacht. Die Zuckerhüte der Basilius-Kathedrale konnten wir schon zu Beginn unseres Fußmarsches sehen und auch sie werden eines unserer Fotomotive sein.
Der einzige Grund warum wir den Platz nach fleißigem Geknippse letztendlich verlassen müssen, ist die Kälte. Wir suchen ihretwegen Schutz im Gemäuer der Basilius-Kathedrale, denn langsam frisst sie sich durch unsere Wintermäntel. Der Temperaturschock - von fast 20 Grad in der Heimat und 0 Grad hier - scheint doch größer zu sein als gedacht.

Der Abstecher in die Basilius-Kathedrale ist auf jeden Fall lohnenswert und mit 100 Rubel für Studenten oder 200 für Erwachsene keine kostspielige Angelegenheit. Die Wandmalereien, Ikonen- und Heiligenstatuen sowie Schnitzerein führen einem das handwerkliche Können der Bauherren des Gebäudes vor Augen. Besonders überwältigend ist jedoch ein Männerchor, der dort regelmäßig im höchsten Raum der Basilika singt. Der Moment als der erste Ton erklingt ist überraschend laut und sorgt ganz schön für Gänsehaut.
Die Kathedrale ist durch die vielen verschachtelten Räume und Gänge fast wie ein Labyrinth. Es scheint als würde sich hinter jeder Ecke eine neue Verwinkelung verbergen oder auch ein weiterer Ausgang.



Leider ist es in der Kathedrale nicht viel wärmer als draußen, weshalb wir fast schon tiefgefroren und halb verhungert die Suche nach einem gemütlichen Café antreten. Doch unserer Wunschvorstellung eines solchen gerecht zu werden ist gar nicht so einfach wie gedacht. Besonders schwierig fällt die Suche, wenn man ohne Internet da steht, ohne das heutzutage ja scheinbar gar nichts mehr geht. Bei unserer Suche legen wir dann doch nochmal kurzerhand einen Zwischenstopp in einem Souvenirshop ein.
 Ich hätte nämlich so gerne eine Barbuschka (alias Matroschka). Oder vielleicht will ich doch lieber einen kleinen Anhänger mit einer Barbuschka oder einen Anstecker mit gleich mehreren oder doch den Kinderrucksack mit einer ganz großen aufgenähten?! Am besten alles und Postkarten kommen auch noch dazu - für die Daheimgebliebenen. Jetzt bin ich glücklich! Aber noch glücklicher, wenn wir was zu Essen finden. Also weiter geht`s!



Ab ins warme Kaufhaus GUM und dann gibt es erstmal ein Eis. Passt zwar nicht zu den Außentemperaturen, sieht aber zu verlockend aus. Vor allem weil das Eis anders als bei uns daheim aussieht und uns so noch mehr reizt. Die Kugeln sitzen perfekt geformt immer nur einzeln auf der Waffel - man muss sich also entscheiden welche Sorte es sein darf. Wir wollen Blaubeere. Sehr zu empfehlen! Schmeckt fast ein bisschen wie Fruchtzwergeeis und weckt Erinnerungen.

Es wird langsam dämmrig und die Zeit in Moskau neigt sich dem Ende, deshalb müssen wir jetzt auch endlich ein Café finden. Ab ins nächste Kaufhaus, eins das auch für uns bezahlbar ist. Da endlich ein Café! Die Karte sieht traumhaft aus! Dann aber die große Ernüchterung! Erst werden wir nicht beachtet und dann gibt es auch mal wieder Verständigungsprobleme. Zum Glück besteht die Karte fast nur aus Bildern, das macht es uns einfacher! Das Essen kommt! Von Nahem und in echt sieht es leider nicht mehr aus wie auf den perfekten Bildern, denn leider schmeckt es nicht und ist zudem auch noch kalt. Schade, ein Gaumenschmaus war das nicht! Dann gibt es eben kein Trinkgeld und auf (nimmer) wiedersehen Café "Coffee Shop".

Wir müssen los, es ist schon fast 18 Uhr. Der Flughafen ruft uns, denn heute soll es auf jeden Fall noch nach Bangkok gehen. Juhhu, Bangkok! Ok, Moment! Stopp! Hier gibt es WLAN! Schnell ein paar Nachrichten an Familie und Freunde und dann aber zackzack raus aus dem Kaufhaus.

Die Nacht ist angebrochen und Moskau sieht gleich nochmal schöner und fantastischer aus. Wir müssen definitiv noch Fotos schießen, bevor wir die Rückreise antreten. Die Zeit rennt. Der Rote Platz erstrahlt in einem Lichtermeer und es sieht fast schon weihnachtlich aus. Doch wir müssen Abschied nehmen, denn der Flieger wartet nicht!
Zurück in der Metrostation lernen wir dann die abendliche Rush-Hour Moskaus kennen. Das ist mit Sicherheit nichts für jemanden, der an Klaustrophobie leidet. Da wird gedrückt und gepresst, bis man in die Bahn rein passt und wenn man nicht aufpasst, wird man auch wieder hinauskatapultiert, wenn man an der nächsten Haltestelle nicht schnell genug denen aus dem Weg geht, die raus wollen. Vor den Rolltreppen sind ganze Menschenstaus und wir beide kriegen es doch zwischendurch etwas mit der Angst zu tun. Dagegen ist die volle KVB-Bahn im Winter rein gar nichts!



Im Zug zurück zum Flughafen treffen wir die ersten Deutschen auf unserer Reise. Evi führt ein spannendes Gespräch über die orthodoxe Kirche, Märchen, Liebe und so philosophieren der orthodoxe Kirchenvertreter und Evi bis wir am Ziel sind.

Im Flughafen müssen wir noch das Schließfach bezahlen - vollkommen vergessen. Also Geld muss her! Exchangerooms are closed! OK, die Kredikarte muss herhalten. Gezückt und Geld abgehoben. Na toll reicht natürlich nicht! Also noch ein zweites Mal! Jetzt aber!
Der Schließfachfachmann muss uns dann aber doch nochmal aus der Patsche helfen. Dieses Mal versteht er uns schon viel besser. Wir scheinen schon geübt zu sein in non-verbaler Kommunikation. Die Rucksäcke zusammengepackt und auf geht es weiter Richtung Gate.

Dort angekommen laden wir erstmal Bilder auf den PC und schauen sie uns an. Was ist eigentlich mit unserem Flug? Der Schalter ist immer noch nicht offen, eigentlich müsste das Boarding beginnen. Ich schau´ mal nach! Oh, nein! Das Gate wurde einfach gewechselt und schon geht die Rennerei los. Mist es sind 10 Gates zurück! Ob wir das noch schaffen? Kurz bevor wir den Schalter erreichen, werden wir auch noch namentlich ausgerufen. Vollkommen geschafft erreichen wir den Flieger und  sinken dort in unsere Sitze. Wir haben es geschafft! Weiter geht es nach Bangkok.

- Steffi

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